H.J.Niemann schreibt:
Liebe Frau Klinger,
vielen Dank für das interessante Thema. Sie stellen u.a. die Frage "Wer
will z.B. unbedingt in der Anlage eines Forschungsberichts seine Mail
von vor drei Jahren finden, geschrieben morgens um 4.30 nach einigen
geistigen Getränken?"
Warum denn nicht? - Aber ich verstehe das Problem, bzw. ich verstehe es
so: Gemeinsam kann unsere Intelligenz (inklusive 'Schnapsideen')
unglaublich viel größer sein als die eines einzelnen, sogar als die
eines genialen Menschen und diese Möglichkeit dürfen wir uns nicht
zerstören lassen. Das Web ist nicht nur Mittel, Ideen zu produzieren,
sondern es kann auch unklare Probleme in deutliche erkennbare Probleme
verwandeln und es kann Lösungen finden, auf die kein einzelner gekommen
wäre.
Aber wie beim brainstorming gibt es zwei Nachteile:
Ohne das ganze Web auf große Regeln einzuschwören, kann jeder selbst
dem abhelfen. Er/sie braucht nur seine innere Einstellung etwas
neuzujustieren.
Eine Schwierigkeit sehe ich ganz woanders: Wenn das Web mehr bringen
soll als nur persönliche Anregung, wenn man tatsächlich einmal versuchen
möchte, ein bisher unlösbares Problem zu lösen, dann ist außer Teilnahme
möglichst vieler aus möglichst vielen Disziplinen und Lebensbereichen
(*Partizipation*), außer freier Äußerung von Ideen und Alternativen
(*Konkurrenz*), außer Auswahl der besseren Ideen (*Kritik*) auch noch
Festhalten des bisher Erreichten (*Tradition*) nötig.
(Nota bene: Solche Dinge aus Partizipation, Konkurrenz, Kritik und
Tradition heißen *lernende Systeme*. Funktionierende Beispiele für
lernende Systeme, deren Intelligenz die genialer Einzelmenschen weit
übersteigt, sind die Wissenschaft, die Demokratie, die Wirtschaft, aber
auch ein Gesetzbuch, ein Fotoapparat, ein Auto.)
Am letzteren, an Tradition, mangelt es zur Zeit. Es gibt viele
interessante Diskussionen, aber alles verpufft im leeren Raum. Soweit
ich weiß, gibt es keine institutionalisierten Zusammenfassungen, die die
Weiterentwicklung eines bestimmten Problems kurz nachzeichnen, und die
die jeweils bisher erreichten besten Lösungsversuche dokumentieren. Nur
wenn das gegeben ist, können Gedanken in vernünftiger Weise wie ein
Strickstrumpf von vielen gestrickt werden. (Möglicherweise bin ich hier
gänzlich uninformiert und bitte dringend, die die's besser wissen, um
Aufklärung)
Kurzum: Statt Webregeln brauchen wir nur unsere innere Einstellung so zu
ändern, wie die es taten, die im Web bereits an *lernenden Systemen*
mitarbeiten (im einfachsten Fall z.B. an Literaturlisten). Was wir
brauchen, ist eine besondere qualifizierte Art der Moderation, die
Ergebnisse beurteilt und zusammenfaßt, wobei die Kürze und Richtigkeit
die Qualität bestimmen.
Es wäre schön, wenn einer der Berufenen in dieser Richtung einmal etwas
bei DFG anstoßen würde, z.B. *Qualifizierte Moderation eines lernenden
Systems im Web zur Lösung des konkreten Problems xyz* (man braucht da ja
immer eine Handvoll Fremdwörter, sonst gibt es nichts).
Diese Ideen sind nicht auf meinem Mist gewachsen (sondern auf einer
Spezialmischung aus Hayek-Popper-Albert), aber das spielt hier keine
Rolle.
Freundlich grüßt
The Philosophical Workshop on Web
Ich halte eine Veröffentlichung meiner Mails ohne meine ausdrückliche
Erlaubnis
und gleich zu welchem Zwecke für unzulässig.
Ein solcher "Mitschnitt" ist einer unerlaubten Tonbandaufnahme
gleichzusetzen.
Auch die sog. Wissenschaft (die m.E. im Bereich der sog.
Geisteswissenschaften
fast nur Schund produziert, vermehrt und katalogisiert)
muss sich an die Erlaubnis der Menschen halten, die sie "erforschen" will -
ansonsten reduziert eine solche "Wissenschaft" den zu "erforschenden"
Menschen
zu einem blossen Objekt.
Mit einfacheren Worten: ein solcher Mitschnitt ist eine Schweinerei.
Aber was tut der Mensch nicht alles aus Eitelkeit...
Julian
hallo claudia,
zu diesem thema hatte ich mal was gebastelt:
-- vom nutzen der archive --
wenn du zeit und lust hast,
eventuell passt es ja zu dem was du vorhast
:)
gruesse aus salzgitter
Hi Claudia,
wahrscheinlich gibt zur Veröffentlichung von
Inhalten aus Mailing-Listen so viele Meinungen
wie Webber. Hier nun meine:
Also ich bin generell beim Schreiben recht
vorsichtig, man weiß ja nie, ob nicht ein
'unbefugter' den Brief in die Hände bekommt.
Natürlich ist es auch in Gesprächen möglich,
dass vertrauliche Informationen an andere
weitergegeben werden, aber das kann man
halt nicht verhindern.
Schreiben hat bei mir viel mit Vertrauen zu tun.
Das gilt natürlich auch für Mails. In Mailing-
Listen bin noch ein wenig vorsichtiger. HOME
gefällt mir deswegen, weil es ein relativ kleiner
Kreis ist, aus dem ich einige doch ganz gut kenne.
Erstmal gehe ich in keinster Weise davon aus,
daß Inhalte daraus irgendwie veröffentlicht
werden, d.h. an andere Leute gelangen als an
die, die sich in der Liste befinden. Eine Mailing-
Liste ist schließlich kein Forum.
Falls aus irgendwelchen wirklich guten Gründen
Dinge aus Mails zitiert werden sollen, dann kann
das nur mit vollständiger Anonymisierung geschehen.
Das deutschsprachige Web ist noch so klein, daß es
nicht genügen würde, Claudia K. aus B. zu schreiben.
Da wüßten doch eigentlich alle, daß es sich
nur um Dich handeln kann. Auch die Initialen wären
nicht anonym genug, ich unterschreibe z.B. manchmal
einfach mit BB.
Ich kann mir vorstellen, daß manche dies ganz
anders sehen, entweder aus Eitelkeit, weil sie es
geil finden, ihren Namen irgendwo zu lesen, oder
weil sie es völlig selbstverständlich finden, wenn
sie auch beruflich viel unter ihrem Namen publizieren.
So, für meine Verhältnisse ist das jetzt ein langes
Mail geworden.
Grüße
Urheberrechte sind auch im Internet nicht aufgehoben.
Wer etwas in eine Mailingliste postet, richtet diesen Beitrag
an die begrenzte Öffentlichkeit eben dieser Mailingliste.
Ebenso wie ein Zeitungsredakteur seine Nachricht über eben
dieses Medium an die begrenzte Leserschaft des Mediums richtet.
Daraus abzuleiten, daß der Beitrag selbst quasi "zur freien
Entnahme" ist und daher nach Belieben weiterveröffentlicht werden
könnte, wäre eine falsche und u.U. fatale Rechtsmeinung.
Erforschung von Mailinglisten?
Beiträge von Listenteilnehmern
(a) unhaltbarer oder
längst aufgegebene Gedanken können uns in Forschungsberichten oder
anderweitig in unliebsamer Weise nachgetragen werden;
(b) wer sein
Urheberrecht liebt, wird nicht mitmachen wollen, weil das Urheberrecht
gewissermaßen über viele Personen verschmiert wird.
Zu (a): Es muß uns egal sein, daß es Leute gibt, die
nicht an Problemlösungen interessiert sind; es wird immer Störer geben,
über die die Problemlöser einfach hinweggehen sollten.
Zu (b) (frei nach
Gustav Mahler übrigens): Es kommt nicht darauf an, wer etwas Gutes
beiträgt, Hauptsache es wird beigetragen. Mein Ideal wäre, daß man bei
wichtigen Problemen, es aufgeben sollte, sich als Urheber einzubringen.
Das mag lebensfremd klingen, aber es gibt im Web überraschenderweise
viele Teilnehmer, die ohne Urheberstempelchen arbeiten und Informationen
und Beiträge liefern, ohne dafür irgendeine Anerkennung zu erwarten. Es
gibt offenbar Leute, die Spaß daran haben, daß sich etwas bewegt und daß
es sich in die richtige Richtung bewegt.
Hans-Joachim Niemann
J.S.Bielicki schreibt:
Ingo Mack schreibt:
ingo
Birgit Bachmann schreibt:
Birgit
Wolfgang Schimmel schreibt: